Nach Toyota feuert auch Peugeot Brennstoffzellen-Auto ab

+++Die Franzosen mit mächtig viel Dampf in der Fahrgastzelle+++

Dass bei den Automobilbauern allmählich ein landwirtschaftliches Umdenken in Sachen Umweltfreundlichkeit unter die Haube kommt, hat sich spätestens seit dem wald- und wiesentauglichen VW Hirsch-Käfer herumgesprochen. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass nach der neuen Konzeptstudie „Mirai“ des weltgrößten Autoherstellers Toyota jetzt auch die Europäer einen Gang zulegen und dank Brennstoffzellen-Antrieb der benzingetriebenen Konkurrenz davonfahren wollen. Allen voran Peugeot, mit dem zur Serienreife gelangten Peugeot 308 Celsius oder kurz 308 °C.

Denn nur kurz nach Präsentation des japanischen Technologiewunders auf alkalischer Wasserstoffbasis statt pH-neutraler Batteriesäure stellten auch die frisch brutzelnden Franzosen ihren ersten umweltfreundlichen Hightech-Boliden auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulles über den Köpfen der Öffentlichkeit vor. Und der französische Vierfelgenantrieb (der Brennstoffzellenbolide kann laut Hersteller sogar mit hitzebeständigen Rädern nachgerüstet werden; allerdings nur gegen Aufpreis) lässt auf den ersten Blick eine Menge Dampf über der Motorhaube ab. Denn das Hightech-Feuerwerk made in France setzt konsequent auf die ganzheitliche Nutzung der zukunftsweisenden Technologie Wasserstoff. Und so haben die Peugeot-Ingenieure anders als etwa Toyota die komplette Fahrgastzelle zu einer funktionstüchtigen Brennstoffzelle ausgebaut. De facto bedeutet dies, dass nicht nur unter der Motorhaube Wasserstoff zu finden ist, sondern im Bedarfsfall sogar der Kindersitz oder der gesamte Kofferraum mit Wasserstoff befüllt werden kann. Dieses respektable Mehr an zündendem Volumen bedeutet auch ein formidables Plus an voluminöser Leistung.

Dass der Peugeot 308 Celsius für viele kein Unbekannter sein dürfte, liegt mit Sicherheit an dem bekannten Prototypen 761.00 ºF oder Peugeot 761 Zero Zero Fahrenheit. Dieses erste Modell mit einer fahrbereiten rückstandslos glühenden Brennstoffzelle in der danach fahrersitz- und rücksitzlosen Fahrgastzelle gewann siebenmal in Folge im Rallyesport den Titel des am schnellsten ausgebranntesten Autowracks und wurde später in einer leicht entzündlichen Straßenversion als Peugeot 405 Celsius oder kurz 405 °C mit vier kostenlosen Pulverschaumlöschern ausgeliefert und bereits ab Werk fabrikneu ausgelöscht bzw. als Coupé schon auf dem Fließband abgefackelt.

Das Brennstoffzellen-Peugeot  405 °C Coupé in der Straßenversion

Das Brennstoffzellen-Peugeot 405 °C Coupé in der Straßenversion

Hier sehen wir eines jener schnittigen 405 °C Coupés beim Befüllen der leeren Brennstofffahrgastzelle mit reinstem Wasserstoff, wie ihn z.B. auch Chuck Norris bei seinen legendären Apnoe-Schießscharten in mehreren hundert Schuss Tauchtiefe verwendet.

Peugeot 308 Celsius – Familienauto mit sagenhafter Reisegeschwindigkeit

So soll bereits kurz nach Betätigen des eingebauten Zigarettenanzünders (laut Hersteller ist gegen Aufpreis auch einer mit Keramikbeschichtung und Asbestmantel erhältlich) im Leerlauf wesentlich mehr Vorschub und vor allem ein enormer Auftrieb des 308 °C erreicht werden. Peugeot verspricht, dass durch diese autonom arbeitende Brennstofffahrgastzelle eine Tankfüllung bis zu 450 km weit oder besser hoch reichen dürfte.

Bei idealen Windverhältnissen, also bei Windstille oder noch besser Rückenwind, der nach Fahrtbeginn von schräg unten kommend die Bremsscheiben vorne kühlt, könnte der Peugeot möglicherweise mehr als 500 Kilometer Flughöhe erreichen. Besonders für kinderreiche Familien ein Riesenvorteil, da so die langweilige Zeit auf dem Kindersitz wie im Flug vergeht und der Nachwuchs mitsamt dem Kofferraum oftmals schon vor Eintreffen der restlichen Familie am Bestimmungsort die Koffer ins vorab gebuchte Hotelzimmer schleppen kann.

Ebenfalls geplant ist eine besonders sparsame Langstreckenversion für den holländischen Automarkt. So sollen mithilfe eines mit Wasserstoff randvoll gefüllten Wohnwagens bequem Reisegeschwindigkeiten von bis zu 1300 Kilometer mit einer einzigen Wohnwagenfüllung erreicht werden. Damit soll es möglich sein, von Rotterdam via Zugspitze über den Kilimandscharo bis Südafrika in gerade einmal vier Minuten zu kommen. Hin und zurück! Über einem anständigen Hochdruckgebiet, also z.B. bei einer Kurzreise mit Start vom Keukenhof über die Azoren hinweg nach Jamaika hinein, liefert die angehängte Brennstoffzelle mit dem Peugeot im Gepäck und dem Fahrer hinterm Heck sogar noch genügend Energie für 40 kg backofenfrischen schwarzen Afghanen für beschwingte Minuten während des Transatlantikfluges.

Peugeot 2008 Celsius beschleunigt mit Porsche-Brennstoffzelle

Obwohl der 308 °C in erster Linie als straßentaugliche Limousine in den Handel kommt, möchte Peugeot auch sportliche Fahrerinnen und Berufspiloten für sich gewinnen. So soll der Peugeot 2008 Celsius im vierten Gang dank einer noch tiefergelegten Brennstoffzelle die hochfliegenden Pläne des französischen Automobilherstellers in die Tat umsetzen. Über 2000 Celsius – um genau zu sein 2008, daher auch der Name – soll das Aggregat dabei erst auf den Asphalt und von dort per Burnout in die Stratosphäre bringen. Dank dieser Brennstoffzelle soll es möglich sein, in 0,2 Sekunden von 0 auf die ersten 100 Höhenmeter zu beschleunigen.

In nur vier Minuten vom Keukenhof nach Jamaika - dank hochmoderner Brennstoffzellentechnologie ein Klacks!

In nur vier Minuten vom Keukenhof nach Jamaika – dank hochmoderner Brennstoffzellentechnologie ein Klacks

Für viele nicht verwunderlich und fast schon unverkennbar. Beim 2008 °C hat in Sachen Aussehen eindeutig der Porsche 918 RSR Pate gestanden. Besonders die markante Flügel-Motorhaube des Franzosen erinnert stark an die Flügeltüren des schwäbischen Hybrid-Renngeschosses. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied. Denn während beim Porsche ein fest eingebauter Mittelmotor vor der starren Hinterachse für den nötigen Schwung sorgt, kommt bei Peugeot ein variabel befestigter Motor samt ebenfalls sehr variabler Hinterachse zum Einsatz. Dies bedeutet, dass sowohl Motor als auch Hinterachse vor Betätigen des Zigarettenzünders noch einigermaßen senkrecht unter dem sitzenden Fahrer liegen, sich danach aber mit jedem Höhenmeter weiter vom jetzt liegenden Fahrer und dem traurigen Rest des fliegenden Fahrzeugs entfernen und den 2008 °C damit in einem Sitz um einiges standfester und hitzebeständiger machen.

Ein weiteres Detail ist sicherlich besonders erfreulich für sportliche Lenkerinnen und sattelfeste Fahrer. Dank des am Kofferraumdeckel montierten Schaltpaddles kann das Sechsgang-Getriebe besonders leicht von außen bedient werden. Dies ist insbesondere dann von Vorteil, wenn der Zündpunkt des Wasserstoffs wieder einmal verschwitzt wurde und der Fahrer mitsamt Sicherheitsgurt in den Kindersitz katapultiert und mitsamt diesem durch die Heckscheibe in Richtung Wohnwagen geschleudert wurde, von wo er aufgrund des zweiten Zündpunktes, der beim Ausfahren der ausziehbaren Couch selbsttätig einsetzt – Peugeot nennt dies das sogenannte Double-Opt-In Mega-Burn-Out Lenkverhalten – direkt Richtung Bremslichter geflogen wird.

Bildnachweise:
1.) „Wasserstoff-Zapfsäule in der HafenCity in Hamburg“ by Medvedev (Eigenes Werk) [CC-BYSA-
3.0], via Wikimedia Commons
2.) „Crashed Peugeot 405“ by gire_3pich2005 (Eigenes Werk) [FAL], via Wikimedia Commons
3.) „Abandoned Peugeot in Toppila May2009“ by Methem (Mikko J. Putkonen) (Own work) [CCBY-
3.0], via Wikimedia Commons
4.) „918 RSR auf dem Genfer Auto-Salon 2011“ von Norbert Aepli, Switzerland (User:Noebu)
(Eigenes Werk) [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons

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